Helle Küche mit Büroflair als Sinnbild für die Entstehung von Task-Value Thinking in Arbeit und Alltag.

Die Entstehung von Task-Value Thinking

Logik

3. Juni 2026 · 4 Minuten Lesezeit

Aus Frust und Tollerei

Task-Value Thinking ist nicht an einem Wochenende entstanden. War auch nicht das Ergebnis eines Workshops oder Forschungsprojekts. Die Denk- und Entscheidungslogik hat ihren Anfang in der Praxis genommen, in Unzufriedenheit und in der Suche nach einer Lösung. Dabei kam die eigentliche Erkenntnis an zwei Orten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun hatten – in meinen Unternehmen und bei uns zu Hause.

Die Beobachtung im Unternehmen

Schon in meinem ersten Unternehmen, allynet, hatte ich schmerzlich gelernt, dass nicht alle Aufgaben, die gleich scheinen, auch wirklich gleich relevant sind. Und dass man durchaus empfindliche Fehler machen kann, wenn die falschen Aufgaben ausgelagert werden. Aber auch umgekehrt. Manche Aufgaben kosten vor allem Zeit und man neigt dazu, sich mit diesen viel zu sehr zu beschäftigen. Erstaunlich viele Menschen stecken ihre Energie in unwichtige Dinge. Und ich war mit dabei: Sparsamkeit an der falschen Stelle.

Diese und weitere Erkenntnisse speicherte ich unter “persönliche Learnings” ab – eine Liste, auf die ich beim nächsten Mal achten wollte. Und ich fühlte mich gut aufgestellt, dass mir diese Fehler nicht ein zweites Mal passieren würden.

Falsch gedacht. Schon bei der Gründung meines zweiten und dritten Unternehmens war sparsames Haushalten wieder weit vorn auf der Prioritätenliste. Ich übernahm Aufgaben, die nicht zu meinen wichtigsten Beiträgen gehörten. Ich sparte an Stellen, an denen Unterstützung sinnvoll gewesen wäre. Und ich investierte einen großen Teil meiner Energie in Tätigkeiten, die zwar erledigt werden mussten, nicht aber über den Erfolg entschieden.

Zwar habe ich nicht alle Fehler wiederholt, dennoch fehlte mir eine Aufgaben-Strategie. Es ist letztlich nichts Dramatisches passiert – außer hin und wieder Frust (was im Unternehmensalltag schon mal vorkommen kann, sich aber im Nu auch wieder legt). Dennoch hätte es auch definitiv einfacher laufen können. Mit einem systemischen Blick auf die Aufgaben. Nicht nur auf Projekte, Ziele oder auf Rollen. Auf die einzelnen Aufgaben.

Es wäre ein Leichtes gewesen, ganz gezielt zu schauen, was ausgelagert, automatisiert oder eben in meiner Verantwortung bleiben sollte. Da ich aber schon mal die falsche Aufgabe ausgelagert hatte – was umsatztechnisch ein kleines Desaster war – zog ich es vor, (wieder) den Großteil dieser Aufgaben „einfach so“ mitzumachen. Fühlte sich sicherer an.

Die Beobachtung zu Hause

Zu Hause hatten wir eine immer wiederkehrende Diskussion, die vermutlich viele Familien kennen. Unser Sohn wollte die Spülmaschine nicht ausräumen. Das war eine der wenigen Aufgaben, die er erledigen sollte – und eine mit der größten Unzufriedenheit. Objektiv war das schwer nachzuvollziehen. Die Aufgabe dauerte nur wenige Minuten – und das nicht mal täglich. 

Aber es half ja nichts – eine Lösung musste für den Familienfrieden her, damit sich daheim alle wohlfühlen. Wir haben uns also zusammengesetzt und die Perspektive gewechselt. Keine Kritik und kein Vorwurf, warum er die Spülmaschine nicht ausräumt, kein Vortrag über Disziplin. Stattdessen überlegten wir gemeinsam, welche Aufgaben für unseren Familienfrieden genauso wichtig sind wie die Spülmaschine – und er entschied, bei welchen er sich gleichzeitig nicht so überwinden muss. Im besten Fall sogar motiviert ist ;-).

Die Antwort war ziemlich überraschend. Unser Sohn übernahm – durchaus mit Freude – die komplette Wäsche. Nicht nur gelegentlich, sondern regelmäßig, komplett und eigenverantwortlich. Waschen, sortieren, Feinwäsche, Trockner, Zeitplan. Wenn wir frische T-Shirts brauchen, sagen wir Bescheid und er liefert. Bis heute funktioniert das zuverlässig. Nichts geht kaputt, nichts verfärbt sich, es gibt keine Diskussionen. Und ich habe im Gegenzug mit Freuden die Spülmaschine übernommen.

Beide Aufgaben erledigt. Ohne Konflikte. Ohne ständige Erinnerungen. Ohne große Überwindung.

Woraus Task-Value Thinking entstand

Die eigentliche Erkenntnis lag nicht darin, dass Menschen unterschiedliche Vorlieben haben. Das ist offensichtlich.

Die Erkenntnis war, dass Aufgaben zwei Eigenschaften besitzen, die fast immer getrennt betrachtet werden. Zum einen ihren Beitrag zu einem Ziel. Zum anderen die Motivation der Person, die sie erledigen soll.

In Unternehmen wird häufig über Prioritäten gesprochen. In Familien häufig über eine faire Aufteilung. Beides greift zu kurz. Denn weder Priorität noch Fairness beantworten die Frage, welche Aufgabe von welcher Person tatsächlich übernommen werden sollte.

Aus dieser Beobachtung entstand Schritt für Schritt Task-Value Thinking. Als Denk- und Entscheidungslogik, die persönliche Motivation und messbaren Erfolgsbeitrag auf Aufgabenebene verknüpft – und dadurch sichtbar macht, warum manche Entscheidungen funktionieren und andere trotz bester Absichten eben nicht.

Die Task-Value-Thinking-Matrix mit den beiden Achsen Motivation und Erfolgsbeitrag hilft als Aufgaben-Übersicht bei der Einordnung und Entscheidungsfindung. Inzwischen gibt es auch eine Family-Variante zum Ausprobieren. Und weitere Bereiche, in denen diese Denkweise ungemein weiterhelfen kann.

Denn – Arbeit wird nicht dadurch besser, dass wir mehr über Menschen und ihr Wollen diskutieren. Arbeit wird besser, wenn wir die richtigen Aufgaben den richtigen Menschen zuordnen.

Hier gibt’s weitere Informationen zu > Task-Value Thinking und wie die Denk- und Entscheidungslogik in der Praxis funktioniert.

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Über die Autorin

Pamela Kelbch, Begründerin von Task-Value Thinking

Pamela Kelbch, MBA

Begründerin von Task-Value Thinking. Unternehmerin, Angel Investorin und Managing Partner der PDT Invest GmbH. Studium der Erziehungswissenschaft, Psychologie, Jura und General Management. Über zwanzig Jahre Organisationsentwicklung, Führung und Performance-Systeme an der Schnittstelle von Technologie, Arbeit und unternehmerischer Wertschöpfung. Gründerin von allynet – aus der Elternzeit heraus einen der ersten Coworking Spaces Münchens aufgebaut, bootstrapped, nach NRW expandiert. Engagiert als Handelsrichterin, Initiatorin der Angelista Squad, in Gremien und gemeinnützigen Projekten für eine enkelfähige, chancengerechte und paritätisch gestaltete Gesellschaft.

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