Hände am Laptop als Symbol für selbständige Arbeit

Selbstführung über Reflexion auf AufgabenEbene – Wertermittlung für die persönliche Strategie

LogikPraxisTask-Value Me

4. Februar 2026 · 7 Minuten Lesezeit

Wobei hilft mir Task-Value Me?

Es gibt Momente im Leben, in denen man sich irgendwie überfordert fühlt, langweilt oder nach dem Sinn fragt. Das ist nicht dramatisch – aber die Gedanken kreisen immer wieder darum, und es wäre eine schöne Abwechslung, mal alles zu strukturieren. Dabei hilft Task-Value Me.

Task-Value Me ist ein Praxisbereich der Task-Value Thinking Denk- und Entscheidungslogik. Hier dreht sich alles um die persönliche Orientierung, um Wünsche, berufliche Veränderung, Selbstführung und – auch ein bisschen – um das eigene Zeitmanagement.

Wenn sich abends das Gefühl einschleicht, viel getan aber wenig erreicht zu haben, dann kann der Task-Value, der Aufgabenwert, weiterhelfen. Mit ihm lässt sich rausfinden, ob das, womit man seine Zeit verbringt, zu irgendetwas beiträgt.

Klingt zunächst abstrakt aber das klärt sich in den nächsten Abschnitten.

Der Alltag besteht aus Aufgaben. Egal ob man sich gerade beruflich oder persönlich neu orientieren möchte, aus einer langen Festanstellung rauswill, nach der Elternzeit zurückfindet oder einfach das Gefühl hat, dass zu viel Energie irgendwo verloren geht. Auch Prokrastination kann ein Thema sein, dem man auf den Grund gehen will.

Manche haben das Journaling für sich entdeckt, andere finden Antworten im Sprechdenken oder suchen sich Vorbilder. Aber so wirklich ins Detail, auf die Aufgabenebene zu gehen – das ist neu.

Für mich war es ein Richtungswechsel. Mir bewusst zu machen, was mich an meinen täglichen To-Dos stört und wo ich bereit bin, trotz geringer Motivation durchzuziehen, weil es Sinn macht. Dann, wenn es sich lohnt.

Und genau das lässt sich rausfinden, indem man den Aufgabenwert bestimmt – der aus der eigenen Motivation einerseits und dem Beitrag zum Ergebnis andererseits besteht.

Was Task-Value Me nicht ist

Keine Selbstfindungs-Übung. Kein Werte-Workshop. Keine Liste mit „Was macht mich glücklich?“.

Task-Value Me ist eine Denk- und Entscheidungslogik. Das bedeutet: Es geht nicht darum, Gefühle zu sortieren, sondern Aufgaben.

Die bestehen zwar zu einem Teil aus der persönlichen Einschätzung – nämlich, ob der eigene Antrieb hoch oder gering ist. Aber erst durch den anderen Teil, ihrer Relevanz – ihrem Beitrag zum Ziel – ergibt sich ein Gesamtbild, das bei Entscheidungen hilft.

Und – falsch oder nicht getroffene Entscheidungen sind es, die das Leben letztlich schwer machen.

Noch etwas: Task-Value Me ist keine Therapie. Es ist auch kein Coaching-Programm und keine Persönlichkeitsanalyse. Nichts, das darauf abzielt, sich als Person zu ändern. Es kann als Denkweise Teil davon sein und dabei helfen, eine andere Perspektive einzunehmen. Aber die Basis ist die Aufgabenebene. Hier finden die Veränderungen statt.

Zwei Achsen

TVT arbeitet mit zwei Achsen: dem persönlichen Antrieb und dem relevanten Beitrag einer Aufgabe. Diese Achsen gelten immer – im Job, im Haushalt und im Hobby.

Die erste Achse: persönlicher Antrieb

Wie viel Antrieb löst eine Aufgabe aus? Gemeint ist: macht sie Spaß, setzt sie Energie frei oder kostet sie welche?

Manche Tätigkeiten laufen wie von selbst. Man fängt an, verliert das Zeitgefühl, und wenn man aufhört, ist man nicht erschöpft, sondern fertig im guten Sinne. Andere kosten schon Disziplin und Überwindung, bevor man angefangen hat. Und in andere steckt man sämtliche Energie rein – und trotzdem fühlt sich das Ergebnis nach nichts an.

Deshalb ist für die Betrachtung auch die zweite Achse so wichtig.

Die zweite Achse: relevanter Beitrag

Was trägt diese Aufgabe eigentlich bei? Im Me-Kontext geht es um den Beitrag zur eigenen Entwicklung, zum eigenen Vorhaben, zur eigenen Richtung. Nicht zur Zielerreichung eines Unternehmens, nicht zur Familienorganisation – sondern für sich selbst.

Das kann beruflich sein. Muss es aber nicht. Es sollte allerdings ein konkretes Ziel sein, auf das die Aufgaben einzahlen. Mal mehr, mal weniger. Darum geht es in der Einschätzung der zweiten Achse.

Vier Aufgabenkategorien

Aus den beiden Perspektiven heraus entstehen vier Task-Value-Quadranten.

Achiever-Tasks, der Quadrant rechts oben

Hoher Antrieb, hoher Beitrag. Aufgaben, bei denen beides zusammenkommt. Das, was man nicht aufhören will zu tun – und das, was gleichzeitig zum festgelegten Ziel führt.

Das ist nicht immer das Naheliegendste. Manchmal liegt ein Achiever-Task in einem Bereich, dem man selbst wenig Gewicht gegeben hat. Weil er „nur ein Hobby“ war. Aber durch die Betrachtung/Bewertung seines Beitrags kann er wertvoll sein.

Explorer-Tasks

Hoher Antrieb, potenzieller Beitrag. Aufgaben, die Spaß machen, deren Beitrag zum eigenen Ziel aber noch offen ist. Das Ausprobieren. Das Lesen mit Genuss. Das Lernen um des Lernens willen. Wer persönliche Zufriedenheit als Ziel hat, kann Explorer-Tasks weiter tun. Wer Neuorientierung oder Selbstständigkeit anstrebt, prüft sie: bringt mich das meinem Ziel näher – oder kostet es nur Zeit?

Operator-Tasks

Niedriger Antrieb, aber erkennbarer Beitrag. Im eigenen Leben: alles, was erledigt werden muss, damit etwas anderes funktioniert. Steuererklärung. Arzttermine. Rechnungszahlung. Wer aufhört, diese Aufgaben immer wieder zu bewerten, gewinnt erstaunlich viel mentalen Platz zurück. Akzeptanz und Loslassen, weil man die Relevanz eindeutig festgelegt hat.

Viele Menschen verbrauchen übrigens mehr Energie damit, Operator-Tasks mit schlechtem Gewissen vor sich hinzuschieben, als sie mit der tatsächlichen Erledigung kosten würden.

Baseliner-Tasks

Weder Antrieb noch Beitrag – und trotzdem im Kalender. Genau da lohnt sich ein zweiter Blick. Manchmal stecken Gewohnheiten drin, die irgendwann mal einen Sinn hatten. Manchmal ist es einfach Trägheit. Und manchmal ist es soziale Erwartung, der man bisher nie widersprochen hat.

Wann Task-Value Me besonders relevant wird

Neuorientierung ist das offensichtlichste Szenario. Aber Task-Value Me ist nicht nur für Menschen, die gerade am Scheideweg stehen.

Es geht auch darum zu verstehen, warum bestimmte Phasen zehrend sind – obwohl objektiv alles okay ist. Oder zu erkennen, was sich nach „zu viel“ anfühlt und warum. Entscheidungen zu treffen, die nicht Prokrastination bestärken, sondern aktive und bewusste Gestaltung. Das Narrativ der eigenen Aufgabenwelt in die Hand zu nehmen.

Nicht aus dem Bauch heraus, sondern aus einem realistischen Aufgabenbild – aus dem, was da ist, und was man davon behalten will.

Wie man mit der TVT-Denkweise anfängt

Der einfachste Einstieg: eine Woche lang aufschreiben, was man tut. Noch nicht bewerten, nicht filtern. Auch das, was man hätte tun sollen, aber liegengelassen hat, zählt hier dazu 😉

Dann zwei Fragen stellen:

Erstens – welche dieser Aufgaben geben mir Antrieb, ein gutes Gefühl?

Zweitens – welches Ziel möchte ich mir auf der Beitragsachse setzen – welche Aufgaben tragen dazu bei, was mir wichtig ist?

Wahrscheinlich werden alle vier Felder gefüllt sein. Die Achiever-Tasks macht man weiter so, bei den Explorer-Tasks ist es eine Frage der freien Zeit und ob sie mittelfristig auf das Ziel einzahlen. Die Baseliner lässt man mal weg und hebt sich die Überwindung für die Operator-Tasks auf.

Sicherlich ist das kein Lebensplan und keine Garantie. Aber es ist ein Anfang, der auf der eigenen Realität basiert und beeinflussbar ist.

Und der Unterschied zu „Was will ich eigentlich?“ ist erheblich – denn diese Frage führt oft in eine weitere Gedankenschleife.

Die Aufgabenfrage führt auf jeden Fall irgendwo hin.

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Über die Autorin

Pamela Kelbch, Begründerin von Task-Value Thinking

Pamela Kelbch, MBA

Begründerin von Task-Value Thinking. Unternehmerin, Angel Investorin und Managing Partner der PDT Invest GmbH. Studium der Erziehungswissenschaft, Psychologie, Jura und General Management. Über zwanzig Jahre Organisationsentwicklung, Führung und Performance-Systeme an der Schnittstelle von Technologie, Arbeit und unternehmerischer Wertschöpfung. Gründerin von allynet – aus der Elternzeit heraus einen der ersten Coworking Spaces Münchens aufgebaut, bootstrapped, nach NRW expandiert. Engagiert als Handelsrichterin, Initiatorin der Angelista Squad, in Gremien und gemeinnützigen Projekten für eine enkelfähige, chancengerechte und paritätisch gestaltete Gesellschaft.

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